Posaunenchor - was ist das?

Für alle, die nicht so richtig wissen, was so ein Posaunenchor eigentlich auszeichnet, wird hier ein kurzer Abriss versucht. Einige Eckpunkte zur Geschichte und den besonderen Kennzeichen sind hier vorgestellt.

Wo kommen wir her?

Posaunenchöre sind ein sehr alte Erscheinung. Bis in die Renaissance kann das Phänomen zurückverfolgt werden. Die heutigen Posaunenchöre gründen sich ursprünglich auf die Pietätsbewegung der Herrnhuter Brüdergemeine im 18. Jahrhundert. Doch erst Eduard und Johannes Kuhlo gaben den Posaunenchören Ende des 19. Jh. im Zuge der Erweckungsbewegung neuen Aufschwung. Gottesdienste im Freien sollten stattfinden, man kam auf die Idee, Blechbläser als "Allwetterorgeln" einzusetzen. Posaunenchöre betrachten sich selbst gern als "Mitarbeiter am Psalm 150" (Lobet den Herrn mit Posaunen...!).

Johannes Kuhlo
Johannes Kuhlo
Die Kuhlos, speziell Johannes Kuhlo, waren keine großen Freunde der Blasorchester. Diese hatten nicht den besten Ruf, und so traf Johannes Kuhlo die Entscheidung, sich von ihnen abzugrenzen. Eine erste Maßnahme: Im Posaunenchor wird klingend gespielt. Die Grundlage ist das Gesangsbuch und die Begleitung des Gemeindegesangs. Alle Bläser spielen aus einer Partitur. So konnten Bläser der Orchester nicht mehr mitspielen, da sie in dieser Schreibweise nicht bewandert waren. Eine Trompete in b klingt eben immer einen Ton tiefer als notiert. Das hat geschichtliche Gründe und soll hier nicht weiter erleutert werden. Heute ist dieser Umstand oft ein Problem für Trompeter, die von der klassischen Musikschulausbildung zum Posaunenchor wechseln möchten. Ein weiterer Unterschied war die Wahl der Instrumente: Trompeten und Posaunen waren verpönt: Hörner wurden gespielt, um einem Vokalchor möglichst nahe zu kommen. Johannes Kuhlo erfand das "Kuhlohorn", eine Art Flügelhorn, was der menschlichen Stimme nachempfunden war. Inzwischen hat sich die Instrumentenwahl allerdings wieder grundlegend gewandelt.

Was zeichnet uns aus?

Kennzeichen der Posaunenchöre ist der Laiencharakter: Jeder kann ein Blechblasinstrument lernen. Oft werden die Instrumente kostenlos zur Verfügung gestellt und der Unterricht wird von Ehrenamtlichen übernommen. Es kommt auf jeden selbst an, wie viel Energie und Zeit er in die Qualität seines Spiels steckt.
Etwas sehr Besonderes ist das Zusammenspiel von Jung und Alt. Von 8 bis 88 wurde oft gesagt. Soll heißen: Sind die neuen Zähne da geht es los bis die 3. Zähne nicht mehr wollen. Musiziert wird natürlich vorrangig in Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen. Die Literatur hat sich jedoch sehr gewandelt. Neben Choräle und Volkslieder sind inzwischen Jazz und Filmmusik getreten. Poaunenchöre können alles spielen, sobald sie gute Leute dabei haben. Hier gibt es von Chor zu Chor große Unterschiede.

Quelle:
Wolgang Schnabel: Drei große Förderer der evangelischen Posaunenchorbewegung - Johannes Kuhlo, Adolf Müller, Wilhelm Ehmann, Bochum 1994.
Die evangelische Posaunenchorarbeit. Herkunft und Auftrag, Göttingen 1993.